Solidarität mit Kolleg:innen im Iran – warum Neutralität keine Gleichgültigkeit bedeutet

Sebastian

Neutralität ist nicht dasselbe wie Gleichgültigkeit. Diesen Gedanken hatte ich Anfang 2026 im Kopf, als es um unsere Kolleg:innen im Iran ging, die unter Protesten und Internetabschaltungen besonders zu leiden hatten. Als WFTGA-Präsident habe ich dazu ein Statement veröffentlicht: „Solidarity with Tourist Guides and Our Ethical Responsibility“. Das war keine einfache Entscheidung – ein Weltverband muss politisch neutral bleiben. Aber neutral zu sein heißt nicht, gleichgültig zu sein, wenn es um die Sicherheit und Würde von Kolleg:innen geht.

Tourist Guides sind in vielen Konflikten die Menschen, die als erste Brücken zwischen Kulturen bauen – oder, wie ich es im Statement genannt habe, „Friedensbotschafter“. Diese Rolle bringt eine ethische Verantwortung mit sich, die über reines Fachwissen hinausgeht: Wie gehe ich als Guide mit politisch heiklen Themen um, ohne meine eigene Sicherheit oder die meiner Gäste zu gefährden? Wie bleibe ich professionell, ohne bei Menschenrechtsfragen wegzusehen?

Ich bin überzeugt: Wer als Guide arbeitet, sollte sich mit solchen Fragen auseinandergesetzt haben, bevor die erste heikle Situation im echten Berufsalltag auftaucht – nicht erst danach. Bei uns fließt das unter anderem ins Webinar Mit Haltung führen ein.