Kinderführungen: Warum weniger Inhalt mehr Wirkung hat

Kinderführungen sind der ehrlichste Spiegel, den es für unseren Beruf gibt. Erwachsene hören aus Höflichkeit weiter zu, auch wenn sie längst abgeschaltet haben. Kinder tun das nicht. Wenn es langweilig wird, sieht man es sofort, und genau deshalb lernt man bei keiner anderen Zielgruppe so schnell.

Der häufigste Fehler ist nicht mangelnde Begeisterung, sondern zu viel Inhalt. Viele Kolleg:innen nehmen ihre bewährte Erwachsenenführung und übersetzen sie in einfachere Wörter. Das funktioniert nicht. Eine Kinderführung ist keine vereinfachte Erwachsenenführung, sie ist ein anderes Format.

Was sich in unseren Workshops immer wieder bewährt hat:

  • Eine Frage statt einer Antwort. Startet nicht mit „Dieses Haus wurde 1520 gebaut“, sondern mit „Wer wohnt hier wohl, wenn die Fenster so klein sind?“ Kinder steigen über Rätsel ein, nicht über Fakten.
  • Alle sieben bis zehn Minuten ein Wechsel. Gehen, stehen, anfassen, raten, nachspielen. Der Wechsel hält die Aufmerksamkeit, nicht die Lautstärke.
  • Drei Inhalte, nicht dreissig. Was am Ende hängen bleibt, sind bei Kindern selten mehr als drei Dinge. Entscheidet vorher, welche drei das sein sollen, und lasst den Rest weg.
  • Ein Gegenstand in der Hand. Ein Schlüssel, ein Stück Stoff, eine Kopie einer alten Karte. Was angefasst werden darf, wird erinnert.
  • Die Begleitpersonen einplanen. Lehrkräfte und Eltern sind entweder eure größte Hilfe oder eure größte Störquelle. Sagt vorher klar, welche Rolle ihr euch wünscht.

Was mich an dieser Zielgruppe bis heute überzeugt: Wer eine Schulklasse durch eine Stunde trägt, hat danach keine Angst mehr vor einer schwierigen Erwachsenengruppe. Die Werkzeuge sind dieselben, nur der Druck ist geringer.

Mehr dazu im Webinar Führungen für Kinder und Jugendliche. Wer den spielerischen Zugang auch bei Erwachsenen nutzen will, findet die passenden Methoden in Gamification in Führungen.