Barrierefreie Führungen beginnen bei der Sprache

Barrierefreiheit wird in unserer Branche fast immer als Bauthema verhandelt. Rampe vorhanden oder nicht, Aufzug ja oder nein. Das ist wichtig, aber es ist der kleinere Teil. Der größere Teil passiert in dem, was wir sagen und wie wir eine Führung aufbauen, und dafür braucht niemand ein Budget.

Ein Beispiel aus dem Kurs, das viele überrascht: Der Satz „Hier sehen Sie rechts das Portal“ schließt mehrere Menschen gleichzeitig aus. Wer nicht gut sieht, kann nichts damit anfangen. Wer hinten steht, auch nicht. „Vor uns liegt ein Portal aus rotem Marmor, etwa drei Meter hoch, mit zwei Löwen links und rechts der Tür“ funktioniert für alle, auch für die Sehenden. Gute Beschreibung ist keine Sonderleistung für eine kleine Gruppe, sie ist bessere Führung für alle.

Vier Dinge, die sofort umsetzbar sind:

  • Beschreiben statt zeigen. Jede Geste durch Sprache ergänzen. Das kostet einen Satz und ändert alles.
  • Das Gesicht zur Gruppe. Wer beim Sprechen zum Objekt schaut, ist für Menschen mit Hörgerät oder Lippenlesen nicht mehr verständlich. Erst hinsehen, dann umdrehen, dann sprechen.
  • Sitzgelegenheiten mitplanen. Nicht als Notfall, sondern als fester Bestandteil der Route. Wer weiß, dass nach 20 Minuten eine Bank kommt, geht entspannter mit.
  • Vorher fragen, nicht raten. Eine kurze Mail an die Gruppenleitung mit der Frage, worauf zu achten ist, ist respektvoller als jede Vermutung und erspart alle Peinlichkeiten vor Ort.

Was mich an diesem Thema besonders beschäftigt, ist die wirtschaftliche Seite. Es gibt eine wachsende Zahl von Gästen, die gerne buchen würden und keine passenden Angebote finden. Wer hier Kompetenz aufbaut, bedient nicht nur einen Anspruch, sondern einen realen Markt, der bisher kaum besetzt ist.

Vertieft wird das im Webinar Führungen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Wer die sprachliche Seite weiter ausbauen will, findet in Zwischen Kulturen sicher navigieren die passende Ergänzung.